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Ein Deutscher im 20. Jahrhundert

 
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Auteur Bericht
Yvonne
Admin


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BerichtGeplaatst: 07 Sep 2006 6:05    Onderwerp: Ein Deutscher im 20. Jahrhundert Reageer met quote

Hans-Dieter Nahme - Ein Deutscher im 20. Jahrhundert

Zusammengeschnittene Auszüge


I. Teil: Aufbruch und Scheitern
Kapitel: "Es braust ein Ruf wie Donnerhall"

.....

Rund ein Viertel des 20. Jahrhunderts war schon vergangen, als mein Lebenslauf begann. Aber davon bin ich noch ein bisschen mit geprägt. Ich habe viel darüber gelesen - Erzählungen, Lebens- und Kriegsbeschreibungen, Romane und historische Darstellungen. Vor allem habe ich viel aus persönlichen Schilderungen erfahren. Die Menschen, unter denen ich aufwuchs, kamen ja alle aus dieser Zeit, die erst wenige Jahre zurück lag.

Meine Mutter war im ersten Jahr des Jahrhunderts geboren. Zur Domäne Wendershausen gehörte bis in die 1920er Jahre auch die Burg Ludwigstein, und die ersten Ehrbeckpächter hatten 100 Jahre zuvor dort auch noch gewohnt. Auf der anderen Seite der Werra lag das Dorf Werleshausen im damals schon preußischen Thüringen, dahinter hoch oben die Burg Hanstein. Kaiser Wilhelm II. besuchte sie des öfteren, und meine Mutter hat dabei der Kaiserin Blumen überreicht.

Der 27. Januar ist für mich noch als "Kaisers Geburtstag" ein Begriff, wenn auch ohne Bedeutung. Von Bedeutung ist mir dagegen der 18. Januar als der Tag der Gründung des Deutschen Reiches im Jahre 1871 durch die Proklamation Wilhelms I. zum Kaiser im Schloss von Versailles. Es ist doch erstaunlich, wie das Bismarck´sche Reich die Niederlage im ersten Weltkrieg, die Revolution, die Weimarer Republik, das Hitlerreich mit seiner Katastrophe und schließlich die 40 Jahre der Teilung in zwei offiziell sogar gegnerische Vorposten rivalisierender Weltblöcke überdauert hat.

Es gibt Historiker, die gemeint haben, Bismarcks Reich sei schon 20 Jahre nach seinem Tode - er war 1898 gestorben - untergegangen. Andere datieren den Untergang auf das Jahr 1945, als Ost- und Westpreußen und die größten Teile von Pommern und Schlesien verloren gingen und Preußen als Staat liquidiert wurde. Aber das ist zu sehr an verfassungsjuristischen und geographischen Anhaltspunkten festgemacht. Letztlich haben alle diese Veränderungen doch nichts an der Identität Deutschlands und der Deutschen geändert. - Ob Willy Brandt das ähnlich empfunden hatte, als er am 18. Januar 1971 am Grabe Bismarcks einen Kranz niederlegen ließ mit der Schleifenaufschrift "Dem Kanzler des Deutschen Reiches - der Kanzler der Bundesrepublik Deutschland" ?

Am Ende des 20. Jahrhunderts ist Deutschland immer noch oder nun wieder das Land der Deutschen der realistischen Bismarck´schen Gründung, deutlich unterschieden von dem "Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation" des Mittelalters und dem "Dritten Reich", wie es Hitler als Großdeutsches Reich mit Einschluss Österreichs etablieren wollte.

Wenn ich die englische Königshymne höre, muss ich, auch wenn ich das deutsche Kaiserreich nicht erlebt habe, manchmal daran denken, dass sie auch die deutsche Kaiserhymne war:

Heil Dir im Siegerkranz,
Herrscher des Vaterlands,
Heil Kaiser Dir!
Fühl in des Thrones Glanz
Die hohe Wonne ganz,
Liebling des Volks zu sein,
Heil Kaiser Dir!


Aus heutiger Sicht ist das Kitsch, und viele Kinder werden, wie es meine Eltern beide auch von sich als Kindern erzählten, an eine "Wonnegans" gedacht haben, ohne sich vorstellen zu können, was das wohl sein soll. Aber exaltierte Verse waren zu der Zeit nicht auf das Nationale und auch nicht auf Deutschland beschränkt. Gehaltvoller war eins der meistgesungenen Lieder mit einer sich aufschwingenden Melodie:

Es braust ein Ruf wie Donnerhall,
Wie Schwerterklirr und Wogenprall:
Zum Rhein, zum Rhein, zum Deutschen Rhein!
Wer will des Stromes Hüter sein?
Lieb Vaterland, magst ruhig sein,
Fest steht und treu die Wacht am Rhein.

Im Text und in seiner erhebenden Melodie von ähnlichem Stil war das Lied:

O Deutschland hoch in Ehren,
Du heil´ges Land der Treu.

Das klingt in heutigen Ohren alles reichlich pathetisch, und vielleicht deswegen hat man wohl gar nicht bemerkt, dass keines dieser Lieder irgendwelche Herrschaftsgelüste oder Eroberungspläne zum Ausdruck bringt. Es geht immer nur um die Verehrung des Vaterlandes und um die Abwehr vermeintlicher oder auch tatsächlicher Angriffe, denen dieses Volk in der Mitte Europas ja immer wieder in seiner Geschichte ausgesetzt gewesen war, im Süden einst von den Römern, im Osten von den Hunnen, im Norden von den Schweden und im Westen im 17., 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts von den Franzosen.

Allerdings gab es eine Aufbruchsstimmung. Das Gefühl, wirtschaftlich, technisch und politisch eine Weltmacht zu werden, nachdem man sich wissenschaftlich und kulturell ohnehin schon auf der Höhe gesehen hatte, muss damals in Deutschland allgemein verbreitet gewesen sein. "Herrlichen Zeiten führe ich Euch entgegen" hatte Wilhelm II. verkündet. Man wollte Seemacht werden, wollte Kolonien haben wie England und Frankreich, Holland und Belgien, Spanien und Portugal. Das große deutsche Volk, "jawohl, das große deutsche Volk", wie später de Gaulle einmal ausrief, wollte nicht zurückstehen hinter England, das mit seinem Empire die Weltwirtschaft beherrschte, nicht hinter Frankreich, das trotz der Eroberungszüge und der anschließenden Niederlage unter Napoleon I. die "Grande Nation" geblieben war. .....

Kapitel: Opfergang

Mit dem Deutschlandlied stürmten Tausende deutscher Soldaten, vor allem Studenten, bei Langemarck in den Tod. Vor den Falklandinseln kämpfte in dem Geschwader des Admirals Graf Spee, als es von weit überlegenen britischen Kampfschiffen gestellt wurde, Schiff für Schiff den aussichtslosen Kampf bis zum Ende durch, und die wenigen Überlebenden sangen schwimmend, während einer nach dem anderen unterging, noch das Marinelied von der Flagge Schwarz-Weiß-Rot, der sie ihr Leben weihen "getreu bis in den Tod". Auch der Kreuzer "Emden", dessen ritterliche Kampfesweise selbst von englischen und indischen Zeitungen gerühmt wurde, ging schon 1914 im Kampf mit einem überlegenen der zahlreichen Verfolger in südostasischen Gewässern unter. Gelesen habe ich auch von den deutschen Jagdfliegern Immelmann, Boelke und Richthofen. Sie Alle sind gefallen.

Sinnlose Opfer? Ich meine, so schnell sollte man nicht darüber hinweggehen. Kaum einer der Gefallenen war gezwungen, kaum einer verführt worden. Sie waren bereit, für ihr Vaterland das Opfer zu bringen. Aber war es das wert, zumal wenn der Kampf und zuletzt auch der Krieg verloren ging? Eine Gegenfrage: Kann das Leben noch lebenswert sein, wenn es nichts gibt, für das man zum Opfer bereit wäre? Wäre dann nicht das Leben selbst sinnlos, ein banales Verbringen der Tage und Jahre? Was des Opfers wert ist, das ist nur subjektiv zu empfinden, und ob es Erfolg hat, lässt sich nicht vorhersehen. Bei aller Skepsis gegenüber Verführung steht uns deshalb doch wohl eine grundsätzliche Bereitschaft zum Respekt vor Allen an, die etwas für ihres Opfers wert halten. Karl Jaspers (Die Atombombe und die Zukunft des Menschen) schreibt:

Für etwas in der Welt geschieht das Opfer, das seinen Sinn jedoch auch dann behält, wenn all das, wofür es in der Welt stattfand, scheitert. ... Den Soldatentod zu verstehen als Mittel zum Zweck, ist eine Herabwürdigung des Soldaten. Zu sagen, er sei vergeblich gestorben, beraubt sein Opfer der Substanz. Der ewige Sinn des Opfers ist unabhängig vom Erfolg dessen, wofür es in der Welt gebracht wurde.

Wenn am Ende des Jahrhunderts glatzköpfige Krawallmacher mit rechtsradikalen Parolen die weiße Fahne mit dem schwarzen Doppelkreuz, dem Adler in der Mitte und links oben den Farben schwarz-weiß-rot schwenken, empfinde ich das als eine Verunglimpfung Aller, die unter ihr tapfer und voller Idealismus gekämpft haben und gefallen sind.

+

Im Osten hatte der Krieg gleich in den ersten Augusttagen 1914 mit dem Eindringen russischer Armeen nach Ostpreußen begonnen. Es kam zu der Schlacht bei Tannenberg mit dem legendären Generalfeldmarschall von Hindenburg, der als "Retter des Vaterlands" aus dem Ruhestand in Hannover reaktiviert worden war. An der Schlacht bei Tannenberg war auch mein Vater beteiligt gewesen.

Er war 1893 in Göttingen als Sohn eines Schuhfabrikanten geboren. Es gibt noch Bilder aus dem alten Göttingen mit dem Haus neben der Johanniskirche, an dessen Wand zu lesen ist "Schuhfabrik A. Günther, Inh. Fr. Nahme". Mein Vater hatte das Göttinger Gymnasium besucht und dann als "Einjähriger" bei dem preußischen (Göttinger) Infanterieregiment 82 gedient. "Einjähriger" und "dienen" waren auch mir noch geläufige Begriffe, obwohl sie nach dem ersten Weltkrieg schon keine aktuelle Bedeutung mehr hatten. ..... Nach dem Wehrdienst hatte er in Leipzig ein Chemiestudium begonnen. Das hatte allerdings nur wenige Monate gedauert. Dann war der Krieg ausgebrochen, und mein Vater war mit einem sächsischen Regiment nach Ostpreußen gezogen.

Die Schlacht bei Tannenberg erlebte er als deprimierende Rückzugsgefechte schwacher deutscher Einheiten gegen überlegene russische Streitkräfte und war höchst erstaunt, als sich herausstellte, dass es einer der größten Siege in der Weltgeschichte gewesen war - ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie man im Zentrum der Ereignisse stehen und selbst daran mitwirken kann, ohne zu wissen, was insgesamt geschieht. .....

1917 kam mein Vater an die Westfront. Dort war der deutsche Vormarsch auf Paris schon 1914 mit der Marne-Schlacht zum Stillstand gekommen. Seitdem lagen sich die Gegner in Schützengräben und Unterständen gegenüber. In Materialschlachten, die immer Tausende bis Hunderttausende von Toten forderten, wurden jeweils wenige Kilometer Geländegewinne erzielt, die dann demnächst wieder verloren gingen.

Ludwig Renn schildert mit kargen Worten den Krieg als die zuweilen banalen Erlebnisse eines Soldaten, der die Zusammenhänge gar nicht erkennen kann. .....

1918 versuchte die Heeresleitung unter Einsatz der im Süden und Osten frei gewordenen Kräfte, das Kriegsende herbeizuführen, bevor die frischen Amerikaner in die Kämpfe eingreifen konnten. Aber Deutschland war erschöpft, vor allem in der Heimat sah es schlecht aus. Renn, jetzt Feldwebel und Zugführer, schreibt:

Von meinen Leuten hatten zwei die Sohlen von den Schnürschuhen geschnitten und nach der Heimat geschickt, weil es dort kein Leder mehr gab. Ich meldete das Lamm. Er befahl eine Durchsicht des ganzen Schuhwerks. Bei den anderen Zügen, bei denen ältere Leute und mehr Familienväter waren als bei mir, fehlte noch viel mehr. ...

Besser sprach auch immer von dem unsinnigen Krieg, und man müsste einfach streiken und nicht mitmachen. Ich sagte einmal dem Hartenstein: "Weshalb verkehrst Du nur mit dem?" Hartenstein lachte: "Weil das der beste Mensch von der Welt ist. Der redet nur so, aber wenn´s drauf ankommt, da sollst Du mal sehen, wie der mitmacht!" Aber auch mir wurde der Krieg immer verdächtiger.

Ludwig Renn, dessen Name in Wirklichkeit Arnold Friedrich Vieth von Golßenau war und der - anders als sein alter ego in dem Buch "Krieg" - den Krieg als Offizier mitgemacht hat, war kein Pazifist. Nach dem Kriege wurde er Kommunist, und als solcher zog er während des spanischen Bürgerkrieges wieder in den Kampf. Man muss sich die Erlebnisse, Erfahrungen und Eindrücke vorstellen, mit denen die Frontsoldaten aus dem ersten Weltkrieg in die Heimat zurückkehrten und die man verstehen muss, wenn man die Entwicklungen in der Weimarer Republik und in der nationalsozialistischen Zeit verstehen will. .....


http://www.nahme.de/Leseprobe-aus-Ein-Deutscher-im-Zwanzigsten-Jahrhundert.html
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